Zero Waste – Plastikfrei leben

Die 5 großen R des Zero Waste Lebens. Wie ich gelernt habe, Umzudenken.

Sabine Koch -

Im Februar 2019 war ich auf einen Vortrag in Bad Urach zum Thema „Zero Waste“ von Aline Pronnet aus München. Dieser Abend hat mich wachgerüttelt und in vielem umdenken lassen. Es kam kein erhobener Zeigefinger, sondern Aline hat einfach aus Ihrem Leben berichtet: Was Sie macht, wie sie lebt, was man tun kann. Noch am selben Abend bin ich durch meine Wohnung gegangen, um zu nachzuschauen, was alles aus Plastik ist. Es war erschreckend. Am nächsten Tag gab es dann einen Nachhaltigkeitsworkshop, an dem wir Peeling, Deo, Mückenspray, Lippenbalsam etc. selbst hergestellt haben. Nach diesen beiden Tagen fing ich an zu überlegen: Wie kann ich dies in meinem Leben umsetzen?
… ich habe hierzu mehrere Bücher gelesen
… war in sämtlichen Einkaufsläden von Lidl, Aldi über Rewe und Alnatura und bin erschrocken darüber, dass bestimmt 75% der Ware in Plastik verpackt ist.
Nun hieß es umdenken, Alternativen finden.


Die 5 großen R des Zero Waste Lebens

Refuse
Brauche ich das wirklich? Nutze was Du hast
Reduce
Weniger kaufen => Minimalismus
Reuse
Reparieren, mache selbst, leihe aus, tausche, kaufe gebraucht
Recycle
Mülltrennung
Rot
Verwesung

Meine Tupperware habe ich verschenkt.

Ich begann in der Küche. Vieles habe ich davor schon gemacht. Hier kann man wie viel tun. Joghurt nur noch im Glas, kein Mais mehr aus der Dose, sondern im Glas … die Liste ist unendlich. Meine Tupperware habe ich verschenkt. Die Lebensmittel werden nun in Gläsern gelagert, auch im Kühlschrank oder in der Tiefkühltruhe. Nach und nach habe ich Dinge ersetzt, Alternativen überlegt, wenn etwas ausging. Das Einkaufen hat mehr Zeit in Anspruch genommen, aber vieles fällt auch weg, wenn man plastikfrei einkaufen möchte. Für mich war es kein Verlust, sondern eine Bereicherung. Weiter ging es im Bad: nur noch Haarseife, Seife statt Flüssigseife. Mundspülung, Deo, Creme etc. werden selbst hergestellt. Mir wurde dann auch immer mehr bewusst, wieviel Müll all die gekauften Dinge verursachen. Also: Wo kann ich ohne Verpackung einkaufen? So kam der Weg zum Unverpackt-Laden. Ich entdeckte für mich eine andere Welt, wo es Freude macht einzukaufen. Man plant besser, nimmt die Behältnisse mit, für meinen Single-Haushalt perfekt, da man auch einfach kleine Mengen kaufen kann, wenn man von einem Produkt z.B. nur sehr wenig benötigt, oder man etwas ausprobieren möchte. Leider sind die Unverpackt-Läden nicht um die Ecke, so dass ich nur ganz gezielt dort alle paar Wochen einkaufen ging. Aber in Verbindung mit dem Marktgang jeden Samstag hat das dann wunderbar geklappt… Damals kam für mich schon der Traum eines Unverpackt-Laden in Filderstadt auf. Manchmal muss man auch mal auf einen Discounter oder eine Einkaufskette ausweichen, aber auch hier klappt das Plastikfreie einkaufen immer besser. Immer mehr wird umgestellt.

Mundhygieneartikel, selbst hergestellt.

Mein Startpunkt war Müll – hauptsächlich Plastikmüll zu vermeiden. Für mich habe ich hier ein Fass ohne Boden aufgemacht. Ich fing an Müll zu sammeln. Als im Juli 2019 der TreffUhlberg25 in Plattenhardt eröffnete und hier der 1. Aktionstag war, habe ich das Thema „Müll“ vorgeschlagen, ohne genau zu wissen, wie wir das am besten umsetzen können. Hieraus entstanden dann 2x im Monat öffentliche Müllsammelaktionen, ein Nachhaltigkeitsstammtisch, ein Interview in der Filderzeitung, ein Do-it-Yourself-Workshop, wo wir Glasreiniger, Deo, Mundspülung und Orangenreiniger selbst hergestellt haben. Filderstadt hat die Aktion „Filderstadt macht Plastikfrei“ gestartet. Seit Juni 2019 lebe ich nun vegetarisch, zwischenzeitlich auch zu 90% vegan. Manchmal komme ich hier auch an meine Grenzen, denn die Kombination „vegan und plastikfrei“ ist sehr schwer umzusetzen, so dass man manchmal auch einfach ausweichen muss. Ein 100%iges Zero-Waste-Leben ist meiner Meinung nach nicht möglich, aber ich bin stolz auf mich, so viel umgesetzt zu haben.

Skin Care, selbst hergestellt.

Ich bin immer noch dabei, auch wenn es manchmal auch wieder einen kleinen Rückschritt gibt, wenn es dann doch zu kompliziert wird oder ich noch keine für mich ansprechende Alternative gefunden habe. Ich bin auch nur ein Mensch. Oft wurde ich kritisiert, oft belächelt, weil ich jeden Tag Müll sammle, aber trotzdem habe ich immer weiter gemacht. Wenn ich nicht anfange, wer dann? Ich kann und möchte nicht belehren, aber ich wünsche mir, andere aufmerksam zu machen in dem ich es vorlebe.